Das Haus Zum Sichel und die Rothschilds (Zum Grünen Schild)
Das Haus zum Sichel (Alt-Nr. 146) lag auf der Ostseite der Judengasse. Direkt daneben befanden sich die berühmten Rothschild-Anlaufpunkte – insbesondere das weltbekannte Haus zum Grünen Schild (Judengasse 148, Stammhaus von Mayer Amschel Rothschild und seiner Frau Gutle).
Entstehung (1521–1533): Das Gebäude wurde zwischen 1521 und 1533 von dem Arzt Dr. Mosche aus Aschaffenburg für seinen Schwiegersohn Isaac Kol errichtet. Es stand auf einem Areal, das ursprünglich zum Nachbarhaus Löwe gehörte und zuvor vermutlich nur mit einem Schuppen bebaut war. Aktenkundig ist die Bewohnung unter dem Namen Sichel ab 1533.
Gebäudeteilung (1617): Wegen der extremen Raumnot im Ghetto wurde das Haus 1617 durch eine Scheidewand getrennt und erweitert. Aus dieser Abspaltung entstand das neue Nachbarhaus Goldene Arche (später Judengasse 147).
Sichel & Rothschilds –Heiratseintrag (1802): Bernhard Juda Sichel (geb. 1780) heiratete am 17. Januar 1802 in Frankfurt am Main Isabella (Belche) Rothschild (geb. 1781), eine Tochter von Mayer Amschel und Gutle Rothschild sowie Schwester der bekannten Rothschild-Brüder. Dadurch waren die Familien Sichel und Rothschild direkt verschwägert.

Archivierung: Dokumentiert ist dies über traditionelle Heiratsurkunden (Ketuba), Gemeinderegister, das Stadtarchiv Frankfurt am Main, das Jüdische Museum Frankfurt sowie The Rothschild Archive, London.
Die Häuser Zum Sichel, Zur Goldenen Arche und Zum Grünen Schild
Das Haus Zum Sichel lag auf der Ostseite der Frankfurter Judengasse und trug die Alt-Nummer 146. Daneben befand sich die Goldene Arche (Nr. 147), in der die Familie Schiff wohnte. Unmittelbar anschließend lag das Rothschild-Stammhaus Zum Grünen Schild (Nr. 148) mit Mayer Amschel Rothschild.
Schiff als Nachbar von Sichel in der Judengasse
Wie im Kataster dokumentiert, befand sich das Haus zum Sichel unter der Adresse Judengasse 146. Direkt daneben lag das durch eine Teilung im 17. Jahrhundert entstandene Nachbarhaus Goldene Arche (Judengasse 147), in dem unter anderem die Familie Schiff wohnte. Auch das berühmte Rothschild-Stammhaus (Zum Grünen Schild) lag in unmittelbarer Nachbarschaft unter der Nummer 148. Eine räumliche Nachbarschaft zwischen den Familien Sichel, Schiff und Rothschilds ist in diesem Ghetto-Abschnitt ist somit archivalisch belegt.
Jacob Schiff (1847–1920) wanderte in die USA aus und wurde Chef des Wall-Street-Bankhauses Kuhn, Loeb & Co. (das historisch eng mit Frankfurter Bankiertraditionen verwoben war).
Schiff war ein erbitterter Gegner des zaristischen Regimes in Russland. Aus diesem Grund unterstützte er im Russisch-Japanischen Krieg (1904/05) japanische Kriegsanleihen gegen den Zaren und spendete für Emanzipationsbestrebungen russischer Juden.
3×1:
Zum Sichel (Haus Nr. 146) – Familie Sichel
Zur Goldenen Arche (Haus Nr. 147) – Familie Schiff (Jakob Schiff, geboren am 10. Januar 1847 in der Frankfurter Judengasse)
Zum Grünen Schild (Haus Nr. 148) – Mayer Amschel Rothschild (geboren am 23. Februar 1744) und Gutle Rothschild (geboren am 23. August 1753)
Aufstieg der Familie Sichel zu Großkaufleuten und Wechselmaklern (ab der Mitte des 18. Jahrhunderts)
- Tätigkeit: Ab der Mitte des 18. Jahrhunderts gelang den Brüdern Callmann Joseph und Herts Joseph zur Sichel ein signifikanter wirtschaftlicher Aufstieg. Sie etablierten sich als Großkaufleute, Handelsleute und Wechselmakler. Sie handelten überregional mit Waren und profitierten vom aufkommenden Bank- und Wechselwesen im Alten Reich.
- Beleg: Historische Kaufmannsregister der Reichsstadt Frankfurt, ausgewertet durch das Institut für Stadtgeschichte Frankfurt.
Bankiers und Einbindung in die Finanzwelt (19. Jahrhundert)
- Tätigkeit: Durch den wirtschaftlichen Erfolg und die Öffnung der Berufe nach der Emanzipation im 19. Jahrhundert zog es Nachfahren der Familie in das professionelle Bank- und Finanzwesen. Die Heirat von Bernhard Juda Sichel mit Isabella (Belche) Rothschild (einer Tochter von Mayer Amschel Rothschild) im Jahr 1802 verknüpfte die Familie zudem direkt mit dem mächtigsten Bankenhaus Europas.
- Beleg: Personenstands- und Heiratsregister der Freien Stadt Frankfurt (Eintrag vom 17. Januar 1802) sowie The Rothschild Archive, London.
Die Weinhäuser Rothschild und Sichel sind in Bordeaux verwurzelt, einer Metropole, die ihre Ursprünge mit der Stadt Bourges teilt.
Die berühmten Weinhäuser Rothschild und Maison Sichel sind beide tief in der südwestfranzösischen Region Bordeaux verwurzelt. Bordeaux, weltweit als Welthauptstadt des Weins bekannt
- Die Gründung (1883): Der Grundstein wurde im 19. Jahrhundert in Deutschland (Mainz) gelegt, von wo aus die Familie den Weinhandel betrieb. Im Jahr 1883 – exakt dem Jahr, in dem in Frankfurt die alte Judengasse abgerissen und das Haus Sichel verkauft wurde – gründete die Familie ein offizielles Einkaufs- und Exportbüro in Bordeaux. Ziel war es zunächst, den britischen und internationalen Markt direkt von der französischen Weinregion aus zu bedienen.
- Wandel zum Produzenten: Aus dem reinen Handelskontor wurde im Laufe des 20. Jahrhunderts ein eigenständiges Weinhaus (Maison Sichel).
Bordeaux – Welthauptstadt des Weins
„Maison Sichel“ in Bordeaux

Bordeaux und Bourges (Bituriges)
Die Städte Bordeaux und Bourges scheinen auf den ersten Blick zwei völlig unterschiedliche Welten zu sein: Die moderne, weltgewandte Weinmetropole im Südwesten trifft auf die historische Kulturstadt im Zentrum Frankreichs, die für ihre gotische Architektur bekannt ist. Doch trotz ihrer heutigen geografischen Distanz und unterschiedlichen Prägung verbindet beide Städte eine tiefgreifende, gemeinsame historische Wurzel – der gallische Stamm der Bituriges.
Der keltische Stamm der Bituriges, übersetzt „die Weltkönige“, bildete das gallische Urvolk. Aus ihm gingen zwei bedeutende Linien hervor. Die erste Linie, die Bituriges Cubi, hatte ihre Hauptstadt in Avaricum, dem heutigen Bourges. Die zweite Linie, die Bituriges Vivisci, wanderte an die Garonne aus und gründete dort mit Burdigala die heutige Welthauptstadt des Weins: Bordeaux.
- Gemeinsame keltische Wurzeln: Die Weinhäuser Rothschild und Maison Sichel sind in Bordeaux verwurzelt, einer Stadt, die ihre Ursprünge mit Bourges teilt. Beide Städte stammen vom gallischen Stamm der Bituriges ab („die Weltkönige“, von Bitu = Welt/Ewigkeit, Riges = Könige).
- Die Bituriges Cubi (Hauptstadt Bourges): Besaßen Macht im Zentrum Galliens (Avaricum), kontrollierten die Eisenproduktion und stellten den Oberkönig der Kelten (Wappen zeigt einen weißen Widder).
- Die Bituriges Vivisci (Hauptstadt Bordeaux): Wanderten an die Garonne aus, gründeten das antike Burdigala (Bordeaux) und bauten ein Handelsimperium an der Atlantikküste auf, das als Welthauptstadt des Weins bekannt ist und als Namensgeber für Bordeauxrot dient.
Museum Judengasse
Battonnstraße 47
60311 Frankfurt am Main
Das Museum wurde nach den Ausgrabungen von 1987 im Untergeschoss des Stadtwerke-Komplexes eingerichtet. Im Mittelpunkt der Dauerausstellung stehen die Fundamente von fünf Häusern der ehemaligen Judengasse, darunter das Haus zum weissen Witter – Nr. 39.

Wappen von Bourges und Bordeaux


Die Farbe symbolisiert:
- den Wein: Sie entspricht dem tiefen Farbton eines vollmundigen Rotweins aus Bordeaux.
- den Farbnamen: Die Bezeichnung Bordeauxrot leitet sich von der weltbekannten Weinregion Bordeaux ab.

