Ascania (Burg Ballenstedt) – Haus Anhalt
Die Askanier, deren Stammland im Harz lag, prägten mit ihrem Wappentier, dem Bären, und Stammvater Albrecht dem Bären das Mittelalter. Das Berliner Wappen leitet sich direkt vom Wappentier der Askanier ab.
Das älteste Stadtsiegel im Jahr 1253
Im 13. Jahrhundert trieben sie den Landesausbau in der Mark Brandenburg voran, gründeten Berlin-Kölln (Stadtsiegel 1253) und schützten jüdische Siedler. Nach dem Aussterben der brandenburgischen Linie 1320 führten anhaltinische Nebenlinien das Erbe fort, unterstützten die Reformation und brachten durch Anhalt-Zerbst gar Zarin Katharina die Große hervor.

Zur Legitimation ihrer Herrschaft führten sie ihre Abstammung auf einen biblischen Urenkel Noahs zurück, um einen ursprünglichen Anspruch auf das Territorium sowie höheres Ansehen zu begründen.
Sakrale Legitimation
Durch die Rückführung der Dynastie auf den biblischen Stammvater Ascenez besaßen die Fürsten einen Stammbaum, der älter war als das Heilige Römische Reich und der gesamte europäische Adel, wodurch ihre Herrschaft als direkt von Gott gewollt galt.
- Die Bedeutung: Im feudalen Europa hing die Herrschaft eines Fürsten stets von seiner Anerkennung durch den Kaiser und die Kirche ab. Ein alter Stammbaum war Macht. Indem sich die Fürsten von Anhalt nicht von sterblichen Kriegern oder lokalen Grafen, sondern vom biblischen Urenkel Noahs (Ascenez) abstammten ließen, machten sie ihre Herrschaft unabhängig von menschlichen Machthabern. Wer von einem Patriarchen aus der Genesis abstammte, regierte nicht nur von Gottes Gnaden (wie jeder König), sondern stand in einer direkten, heiligen Linie der Schöpfungsgeschichte.
Die Schriften, die diese Konstruktion (sakrale Legitimation, Ur-Heimatrecht) stützten:
- Ernst Brotuff: Genealogia und Chronica des hochlöblichen Hauses Anhalt
- Erscheinungsort & -jahr: Leipzig, 1556 (gedruckt bei Jakob Berwald).
- Erscheinungsort & -jahr: Leipzig, 1556 (gedruckt bei Jakob Berwald).
- Philipp Melanchthon: Chronicon Carionis
- Erscheinungsort & -jahr: Wittenberg, 1558–1560.
- Erscheinungsort & -jahr: Wittenberg, 1558–1560.
- Heinrich Bünting: Braunschweigische und Lüneburgische Chronica
- Erscheinungsort & -jahr: Magdeburg, 1584 (gedruckt bei Paul Donat).
- Erscheinungsort & -jahr: Magdeburg, 1584 (gedruckt bei Paul Donat).
- Georg Rollenhagen: Froschmeuseler
- Erscheinungsort & -jahr: Magdeburg, 1595.
- Erscheinungsort & -jahr: Magdeburg, 1595.
- Justus Georg Schottelius: Ausführliche Arbeit Von der Teutschen HauptSprache
- Erscheinungsort & -jahr: Braunschweig, 1663.
- Erscheinungsort & -jahr: Braunschweig, 1663.
- Justus Reiffenberg: Historiae Anhaltinae Libri XX
- Erscheinungsort & -jahr: Frankfurt am Main, 1636 (gedruckt bei Johann Theodor de Bry / Wilhelm Fitzer).
- Inhalt & Funktion: Mitten im verheerenden Dreißigjährigen Krieg verfasste der Jurist und Historiker Justus Reiffenberg dieses monumentale lateinische Werk im Auftrag der anhaltischen Fürsten. Er führte eine Synthese aus dem trojanischen Mythos (um Ascanius) und der biblischen Ascenez-Linie durch, wobei er Letztere als älter und würdevoller bewertete. Das Buch diente als diplomatische und juristische Waffe, um die Souveränität, das Ur-Heimatrecht und die Gleichrangigkeit Anhalts gegenüber dem Kaiser und konkurrierenden Mächten zu verteidigen.
Die Beziehung zwischen den Askaniern (als Markgrafen von Brandenburg) und der jüdischen Bevölkerung im 13. und frühen 14. spielten jüdische Siedler eine wichtige Rolle als Teil der neuen städtischen Gemeinschaften.
- Frühe Zeugnisse und Ansiedlung: Jüdisches Leben lässt sich in der Mark Brandenburg archäologisch und urkundlich ab der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts nachweisen (so datiert der älteste gefundene jüdische Grabstein in Spandau auf das Jahr 1244). Die Askanier holten im Rahmen ihrer Kolonisationspolitik gezielt Menschen ins Land, die beim Aufbau von Städten und Handel halfen.
- Wirtschaftliche Funktionen: Anders als in späteren Jahrhunderten oder in anderen Regionen Europas (wo Juden oft auf den Geld- und Pfandleihhandel beschränkt waren) betätigten sich die Juden in der frühen Mark Brandenburg stark im Fern- und Regionalhandel sowie zum Teil im lokalen Handwerk und Viehhandel. Sie trugen zur Monetarisierung und Belebung der Märkte bei.
- Landesherrlicher Schutz und das Regalsystem: Die Juden standen als sogenannte Kammerknechte direkt unter dem rechtlichen Schutz des Markgrafen. Die Askanier ließen sich diesen Schutz gut bezahlen: Juden mussten spezielle Steuern, Abgaben und Schutzgelder entrichten. Im Gegenzug garantierten die Markgrafen ihnen Leib und Leben sowie das Recht auf freie Religionsausübung und Handel.
Reformation 1530
Im Jahr 1320 starben mit dem Tod von Markgraf Heinrich dem Kind die brandenburgischen Askanier aus. Doch während die askanische Linie in der Mark Brandenburg erlosch, lebte das Herrschergeschlecht im Stammland der Askanier – zwischen Harz, Elbe und Saale – in Nebenlinien fort. Aus diesem Zweig ging das historische Fürstentum Anhalt hervor. Einige dieser anhaltinischen Fürsten gehörten zu den glühendsten Unterstützern der Reformation! Besonders Fürst Wolfgang von Anhalt-Köthen (1492–1566) – ein direkter Nachfahre der Askanier – stand Martin Luther persönlich sehr nahe, unterstützte ihn auf dem Reichstag zu Worms (1521) und führte als einer der Ersten in seinem Fürstentum konsequent die Reformation ein.
- Bekenntnis zu Luthers Lehre (Confessio Augustana): Fürst Wolfgang von Anhalt-Köthen schloss sich den protestantischen Ständen an und unterschrieb im Juni 1530 auf dem Reichstag zu Augsburg die Confessio Augustana (das Augsburger Bekenntnis), das von Philipp Melanchthon (in Abstimmung mit Martin Luther) verfasst worden war. Damit bekannte sich Anhalt offiziell zu den lutherischen Reformen, was den Weg für die Einführung der Reformation im Fürstentum ebnete.
- Luthers Aufenthalt in der Nähe: Da Luther wegen der über ihn verhängten Reichsacht nicht persönlich am Reichstag in Augsburg teilnehmen durfte, hielt er sich im Jahr 1530 (von April bis Oktober) auf der Veste Coburg auf, von wo aus er das Geschehen in Augsburg und den Kontakt zu den Fürsten und Theologen (wie denen aus Anhalt und Kursachsen) steuerte.
- Persönliches (Tod von Luthers Vater): Genau in diese Zeit fiel ein persönlicher Einschnitt für Luther: Am 29. Mai 1530 verstarb sein Vater Hans Luther in Mansfeld (das eng mit den regionalen sächsisch-anhaltischen Territorien verflochten ist), woraufhin Martin Luther auf der Coburg die Todesnachricht erhielt.
Zur Geschichte des Hauses Anhalt und der Askanier
1. Die Ursprünge: Graf Esico von Ballenstedt
Im Zentrum des 11. Jahrhunderts steht Graf Esico von Ballenstedt (urkundlich greifbar ab 1036) als regionaler Machthaber im Schwabengau und Harzgau. Er agierte an einer geopolitischen Nahtstelle zwischen slawischen Siedlungsgebieten und dem ostfränkischen Reichsverband.
- Der Name: Die Bezeichnung Askanier leitet sich von Aschleben bzw. Aschersleben ab und ist mit dem frühmittelalterlichen Burgenbau (wie der Burg Ballenstedt) zur Territorialstabilisierung verknüpft.
- Heiratspolitik: Durch die Vermählung mit Mathilde von Sachsen aus dem Hause der Billunger etablierten sich die Askanier im sächsischen Hochadel und legten das Fundament für künftige Erbansprüche.
2. Albrecht der Bär und die Mark Brandenburg
Die prägendste Gestalt des Hochmittelalters war Albrecht I., genannt Albrecht der Bär (ca. 1100–1170).
- Gründung der Mark Brandenburg (1157): Nach Kämpfen mit slawischen Stämmen sicherte Albrecht die Kontrolle über die Brandenburg, nachdem ihn der letzte hevellische Fürst Pribislaw-Heinrich adoptiert und zum Erben eingesetzt hatte. Er nahm den Titel des Markgrafen von Brandenburg an.
- Landesausbau: Seine Herrschaft leitete die deutsche Ostsiedlung ein. Durch den Zuzug von Kolonisten entstanden Sakralbauten und neue Städte, womit er das Fundament für die spätere preußisch-brandenburgische Staatlichkeit legte.
3. Entstehung des Hauses Anhalt und die Reformation
Nach Albrechts Tod verblieb der Kernbesitz im Harz- und Elberaum bei seinem Enkel Heinrich I. von Anhalt (1170–1252). Das Jahr 1212 gilt durch die offizielle Aufteilung des väterlichen Erbes als Gründungsjahr des Hauses Anhalt.
- Hort der Reformation: Im 16. Jahrhundert schloss sich Anhalt unter Fürst Wolfgang von Anhalt-Köthen früh der Reformation Martin Luthers an. Wolfgang war 1530 Mitunterzeichner der Confessio Augustana und spielte eine Führungspolle im Schmalkaldischen Bund.
- Linien und Wiedervereinigung: Spätere Erbteilungen führten zur Ausdifferenzierung historischer Hauptlinien (Anhalt-Dessau, Anhalt-Bernburg, Anhalt-Köthen und Anhalt-Zerbst – letztere Herkunft der russischen Zarin Katharina der Großen). Nach dem Aussterben einzelner Linien fiel das gesamte Erbe 1863 an Leopold IV. Friedrich von Anhalt-Dessau.
4. Gegenwart
- Prinz Eduard von Anhalt (vollständig: S.H. Prinz Julius Eduard Herzog von Anhalt, geboren am 3. Dezember 1941) fungiert als Chef des Hauses Anhalt und Großmeister des Askanischen Hausordens Albrecht der Bär.
- Nachfolge und Repräsentanz: Designierte Nachfolgerin an der Spitze des Familienverbandes ist Prinzessin Julia Katharina von Anhalt (geboren am 14. Dezember 1980).
Schlüsseljahre:
- 1212 – Heinrich I. von Anhalt führt erstmals den Titel „Fürst von Anhalt“; Beginn des Fürstentums Anhalt als eigenständige askanische Herrschaft.
- 1253 – Erstes bekanntes Stadtsiegel von Berlin-Kölln; die Askanier trieben den Landesausbau in der Mark Brandenburg voran und förderten die Entwicklung der Doppelstadt Berlin-Kölln.
- 1521 – Fürst Wolfgang von Anhalt-Köthen unterstützt Martin Luther während des Reichstags zu Worms und gehört zu den frühen fürstlichen Anhängern der Reformation.
- 1530 – Fürst Wolfgang von Anhalt-Köthen tritt als Mitunterzeichner der Confessio Augustana auf dem Reichstag zu Augsburg hervor (Hauptverfasser des Augsburger Bekenntnisses war Philipp Melanchthon).

